Die Feststellung eines Pflegegrades ist ein entscheidender Schritt, um die Unterstützung zu erhalten, die Ihnen rechtlich zusteht. Doch wie läuft eine solche Begutachtung ab und worauf müssen Sie unbedingt achten?
Wer führt die Begutachtung durch?
In Deutschland wird der Pflegegrad durch ein medizinisches Gutachten ermittelt:
• Gesetzlich Versicherte: Die Begutachtung erfolgt durch den Medizinischen Dienst (MD).
• Privatversicherte: Hier übernimmt MEDICPROOF diese Aufgabe.
Wichtig zu wissen: In der Regel findet die Begutachtung durch einen Hausbesuch statt. Unter bestimmten Voraussetzungen (z. B. bei einer Höherstufung oder klarer Aktenlage) kann dies heute aber auch per Strukturierter telefonischer Befragung oder Videobegutachtung erfolgen.
Ein Tipp aus meiner persönlichen Erfahrung:
In unserem Fall wurde in der Rehaklinik zunächst eine vorläufige Einstufung vorgenommen. Ich empfehle Ihnen dringend, hier beim Sozialdienst der Klinik aktiv nachzufassen, damit die Informationen zur Sicherstellung der Anschlussversorgung direkt an die Pflegekasse gehen.
Fristen und Zahlungen:
Der Anspruch auf Pflegegeld beginnt an dem Tag, an dem Sie den Antrag stellen. Es werden keine rückwirkenden Zahlungen geleistet – stellen Sie den Antrag also so früh wie möglich! Falls Sie mit dem Bescheid nicht zufrieden sind, können Sie innerhalb einer Widerspruchsfrist von einem Monat nach Erhalt reagieren.
Mein wichtigster Rat: Seien Sie ehrlich!
Es ist eine menschliche Reaktion: Wenn Besuch kommt, möchte man sich von seiner besten Seite zeigen. Doch bei der Begutachtung ist das ein großer Fehler.
Versuchen Sie nicht zu „glänzen“ oder die Situation zu beschönigen. Wenn die Realität im Alltag mühsam ist, muss das Gutachten genau das widerspiegeln. Nur wenn Sie die Situation so schildern, wie sie tatsächlich ist, erhalten Sie die Einstufung, die Ihrem echten Hilfebedarf entspricht.
Die 6 Module der Begutachtung:
Der Gutachter prüft die Selbstständigkeit in diesen Lebensbereichen:
1. Mobilität
2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
4. Selbstversorgung
5. Bewältigung von krankheits- und therapiebedingten Anforderungen
6. Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte
Vorbereitung:
Holen Sie sich für den Termin unbedingt einen Angehörigen oder Ihre Pflegeperson dazu. Gemeinsam können Sie die täglichen Herausforderungen lückenlos schildern.
Dieser Beitrag ist ein Auszug aus meinem Buch „FEBRUARSTILLE – Aphasie nach Schlaganfall“. Dort teile ich meinen persönlichen Weg als Angehörige und gebe tiefe Einblicke in die bürokratischen Hürden des Pflegealltags.
Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und wurden mit größter Sorgfalt erstellt. Sie ersetzen keine individuelle Rechtsberatung. Stand: April 2026